10.10.2011, 18:16 Uhr
Aus Düsseldorf berichten Marc L. Merten und Patrick Brandenburg
"Mein größter Konkurrent ist ein Teil der Fans. Es tut ein Stück weit weh, wenn man weiß, dass die eigenen Fans einen nicht wollen." Diese Aussagen stammen von Mario Gomez, getätigt am 30. März 2011. Es war der Abend des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien in Mönchengladbach. Die eigenen Fans hatten Gomez ausgepfiffen. Sie hatten ihn zum personifizierten Stolperkönig der Nationalelf erkoren. Kurzum: Sie hatten ihn verspottet. Heute, vor dem letzten EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien (ab 18.45 Uhr im Liveticker von t-online.de), nur sechs Monate, aber unzählige Tore später, ist er ihr gefeierter Held. Oder in den Worten von Bundestrainer Joachim Löw gesprochen: "Mario Gomez ist eine Tormaschine."
Einen besseren Beweis als das Tor gegen die Türkei hätte der 26-Jährige dafür nicht liefern können. Gomez ist so stark wie nie. Nicht vergessen, aber doch verdrängt ist die schwere Zeit, die er als 35-Millionen-Flop in seinem ersten Jahr beim FC Bayern München und noch mehr in der Nationalmannschaft durchleben musste. Vielmehr sind Spiele, in denen Gomez kein Tor erzielt, in München wie auch und in der Nationalelf, zur Seltenheit geworden. "Wenn er spielt, dann trifft er", sagt auch Löw. "Seine Fähigkeiten sind überragend."
Gomez’ Leistungsexplosion – sie ist auch eine Erleichterung für seine Mitspieler. "Es war schon eine Frechheit, wie Mario noch vor einem halben Jahr behandelt wurde", ereifert sich Teamkollege Thomas Müller. "Er wurde als phlegmatischer Schönling hingestellt. Das war absolut nicht gerechtfertigt." Heute ist die einst verspottete Haarpracht des Mario Gomez bei den Fans fast schon Kult. "Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft", sagt Gomez schlicht. Die Situation sei nicht einfach gewesen, "das kann man nicht weg diskutieren". Nun aber habe er es seinen Kritikern gezeigt. Das sei zwar "kein neues Gefühl, aber ein gutes".
Für den Bundestrainer ist Gomez’ Entwicklung ein Segen. Acht Monate vor Beginn der Mission EM-Titel verfügt der DFB über einen der gefährlichsten Stoßstürmer Europas. Und weil auch Miroslav Klose bei Lazio Rom wieder aufblüht, hat die Nationalelf alles, nur kein Stürmerproblem. Sollte man meinen. Doch Löw ist ganz und gar anderer Meinung. "Wir haben auf der Position ganz vorne aktuell keine weiteren Stürmer internationaler Klasse", warnt der Bundestrainer. "Da muss man sagen: Das fehlt in Deutschland."
Grund genug für den 51-Jährigen, an der taktischen Weiterentwicklung seiner Elf zu basteln: Flexibilität lautet das Stichwort, das ein Spielsystem bis hin zur Auflösung des klassischen Stürmers vorsieht. Spielertypen wie Thomas Müller und André Schürrle kommen Löw da gerade recht. "Beide sind nicht die klassischen Stürmer wie Gomez oder Klose", sagt der Taktiktüftler. "Beide leben von ihrem variablen Spiel." Das variable Spiel – diesen Weg will Löw einschlagen. Die Zeit bis zur EM ist aber beschränkt, eine völlige Umstellung vor dem Turnier in Polen und der Ukraine nicht mehr zu erwarten. Wohl dem, der eine Tormaschine wie Mario Gomez hat.
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Quelle: t-online.de
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