01.12.2011, 14:35 Uhr
Anatoli Timoschtschuk und Andrej Shevchenko sind zwei wichtige Stützen der Ukrainer. (Quelle: imago)
Im November 2011 war sie endlich da, die erste EM-Euphorie in der Ukraine. Gerade hatte das Team von Trainer Oleg Blochin einen bezaubernden Auftritt gegen den Turnier-Favoriten Deutschland hingelegt und das Finalstadion von Kiew mit einem 3:3 standesgemäß eingeweiht. Eine Gala zur rechten Zeit, denn zuvor hatte der Gastgeber der EM 2012 die skeptischen Fans nicht gerade zu Jubelstürmen hingerissen.
Ob die Qualifikation fürs Turnier auf sportlichem Wege geklappt hätte, darf durchaus bezweifelt werden. Nun aber hat die Ukraine urplötzlich wieder Hoffnung, einen ähnlich starken Auftritt zu schaffen wie bei der WM 2006. Beim Turnier in Deutschland scheiterte die Mannschaft erst im Viertelfinale am späteren Weltmeister Italien.
Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit der Ukraine sind die Schowto-Blakytni, die Gelb-Blauen, bei einer EM-Endrunde dabei. Als Gastgeber war die Mannschaft automatisch qualifiziert. In der Testphase fürs Turnier hatte die Ukraine überaus kritische Phasen zu überstehen. So kassierte das Team in den ersten Spielen des Jahres fünf Niederlage aus sechs Spielen, wobei die Gegner bei den Pleiten nicht von Pappe waren: Italien, Frankreich, Uruguay, Schweden und Tschechien. In den jüngsten drei Partien hat die Mannschaft aber doch noch die Kurve gekriegt. Nach Siegen über Bulgarien und Estland gab es zuletzt das spektakuläre Remis gegen Deutschland.
Die Mannschaft von Mit-Gastgeber Ukraine. (Quelle: imago)Bei diesem Spiel wurden die Stärken und Schwächen deutlich. Die Ukraine kann einen atemberaubenden Konterfußball spielen, tut sich aber ansonsten mit der Spieleröffnung schwer und ist in der Abwehr anfällig. In Bayern-Spieler Anatoly Tymoschtschuk und dem alternden Superstar Andrej Schewtschenko hat die Mannschaft international erfahrene Kicker in ihren Reihen, die das Spiel lenken und entscheiden können. Auch die Qualitäten von Andrej Woronin sind jedem Bundesliga-Fan bekannt. Der frühere Stürmer von Mainz, Köln, Leverkusen (und später Liverpool) ist inzwischen bei Dynamo Moskau gelandet. Dazu gesellen sich einige Routiniers, die mit Emporkömmling Schachtjor Donezk in den vergangenen Jahren für Furore im Europapokal gesorgt haben. So beim Gewinn des UEFA-Pokals 2009 oder in der vergangenen Saison mit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League.
Andrej Schewtschenko ist ein Meisterschüler von Dynamo Kiews Trainerlegende Walerij Lobanowskyj. Im Gegensatz zu seinem aktuellen Nationaltrainer Blochin hatte Schewtschenko das Glück, nach seiner fünfjährigen Lehre bei Dynamo, in der er in 117 Spielen 60 Tore erzielte, in die italienische Serie A wechseln zu können. Beim AC Mailand verdiente er ein Vermögen, zahlte die Millionen aber mit tollen Leistungen zurück. Zwischen 1999 und 2006 traf er in 208 Liga-Spielen für Milan stolze 127 Mal. Der erklärte Lieblingsspieler von Klubbesitzer Silvio Berlusconi hatte großen Anteil am Gewinn des Scudetto, der italienischen Meisterschaft 2004, und ein Jahr zuvor am Finalerfolg in der Champions League. Mit 58 Toren ist er drittbester Torschütze in der Geschichte der Königsklasse. Europas Fußballer des Jahres 2004 lässt heute seine Karriere beim Stammverein Dynamo Kiew ausklingen. Allerdings nimmt sich der 35-Jährige viel Zeit für sein neues Hobby, das Golfspielen. Ehrgeizig wie eh und je, hat Sheva es schon zum Titel des ukrainischen Vizemeisters gebracht.
Oleg Blochin ist in seiner Heimat eine Legende. Der pfeilschnelle Linksaußen war der erste große Star von Lobanowskyjs Dynamo, das mit innovativen Trainingsmethoden und Systemfußball seit den Siebzigern für Aufsehen sorgte. In 433 Einsätzen erzielte Blocha, der Floh, stolze 211 Treffer für Kiew, das mit ihm unter anderem sechs nationale Meistertitel und zwei Mal den Europapokal der Pokalsieger gewann. Für die Sowjetunion stand Blochin 101 Mal auf dem Platz und erzielte 35 Tore. Kein Wunder, dass Europas Spitzenklubs Schlange standen für den treffsicheren Sprinter, der die hundert Meter unter elf Sekunden lief. Doch Blochins große Zeit kam einige Jahre zu früh, um den Eisernen Vorhang zu überwinden. Erst als er seine aktive Karriere beendete und die Sowjetunion zerfiel, vergoldete er seinen Namen als Trainer bei Klubs in Griechenland. 2003 übernahm der Volksheld die Nationalmannschaft der Ukraine und führte das Team bei der WM 2006 bis ins Viertelfinale. Nach einem kurzen Intermezzo als Vereinstrainer in Russland kehrte Blochin Anfang 2011 zurück zu den Blau-Gelben.
Quelle: t-online.de
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