02.12.2011, 08:01 Uhr
Europameister Xavi am Abend seines bis dahin größten Triumphes. (Quelle: imago)
Europameister 2008, Weltmeister 2010: Spanien ist seit knapp fünf Jahren das Maß aller Dinge im Weltfußball. Nur logisch, dass das Team von Trainer Vicente del Bosque auch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine als Top-Favorit an den Start geht. Wer den Titel gewinnen will, kommt an Spanien nicht vorbei. Doch die Konkurrenz hofft, dass die Stars um Xavi oder Andres Iniesta aufgrund der letzten Erfolge ein wenig satt sind. Zuletzt zeigte man bei zwei Testspielen alles andere als weltmeisterliche Leistungen. 0:1 gegen England und 2:2 gegen Costa Rica hießen die Resultate. Darüber hinaus droht der erbitterte Kampf zwischen den beiden Top-Klubs FC Barcelona und Real Madrid zu eskalieren und die Stimmung innerhalb der Nationalmannschaft zu trüben. Und schließlich hat die schwere Verletzung von David Villa die Nation geschockt.
Neben Deutschland ist Spanien die einzige Mannschaft, der eine perfekte Qualifikation gelang. Acht Spiele, acht Siege, 24 Punkte und ein Torverhältnis von 26:6. So lautet die eindrucksvolle Bilanz des Titelverteidigers. Am Ende betrug der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Tschechien satte elf Punkte. Mit den weiteren Teams aus Litauen, Lichtenstein und Schottland traf man allerdings nicht gerade auf Top-Nationen. Zuhause gegen Tschechien (2:1) und in Schottland (3:2) tat man sich ein wenig schwer, ansonsten war die EM-Qualifikation für die Spanier eher eine lockere Aufwärmphase für das eigentliche Turnier. (EM-QualifikationErgebnisse und Tabelle der Gruppe I)
Welt- und Europameister Spanien. (Quelle: imago)Da David Villa und Cesc Fabregas mittlerweile auch für den FC Barcelona spielen, könnten durchaus neun Akteure der Katalanen im EM-Kader stehen. Dafür müsste Villa allerdings rechtzeitig fit werden. Nach seinem Schienbeinbruch ist das jedoch höchst fraglich. Sein Ausfall würde die spanische Offensive stark schwächen. Trotzdem kommen immer wieder neue Supertalente nach. Shooting-Star Thiago Alcantara ist einer von ihnen. Der 20-jährige in Italien geborene Sohn eines Brasilianers wird nicht nur bei Barca hoch gehandelt. Überhaupt ist das Team von Trainer del Bosque gespickt voller Stars. Einer wird allerdings nach der EM seinen Rücktritt erklären. Carles Puyol. Der charismatische Verteidiger wird dann 34 Jahre alt sein und wahrscheinlich über 100 Länderspiele absolviert haben. Neuer Rekordhalter ist übrigens Iker Casillas. Der 30-Jährige hütete gegen Costa Rica zum 127. Mal das Tor der spanischen Nationalmannschaft und überholte seinen Kollegen Andoni Zubizarreta. Zittern muss dagegen Fernando Torres. Der Stürmer kommt beim FC Chelsea überhaupt nicht zurecht und muss angesichts der großen Konkurrenz um einen Platz im EM-Kader bangen.
Xavier Hernández i Creus, kurz genannt Xavi, ist Herz und Taktgeber der spanischen Nationalmannschaft. Er zieht im defensiven Mittelfeld die Fäden. Nahezu jeder Angriff läuft über den Spieler des FC Barcelona. Mit seinem Klub wurde er sechs Mal spanischer Meister und gewann drei Mal die Champions League. Beim EM-Triumph 2008 wurde er zum besten Spieler des Turniers benannt. Obwohl Xavi, der über 100 Länderspieleinsätze vorweisen kann und auf dem besten Wege ist, zum Rekordfeldspieler des Landes zu werden, beim EM-Start bereits 32 Jahre alt sein wird, befindet er sich nach wie vor in Topform. "Ich gebe ihm kein Verfallsdatum", schwärmt Nationalcoach del Bosque.
Vicente del Bosque war eigentlich nicht zu beneiden. Schließlich trat er sein Amt als Nachfolger von Luis Aragonés an, der gerade den EM-Titel 2008 eingefahren hatte. Der erste EM-Erfolg einer spanischen Nationalmannschaft seit 1964. Doch der Gentlemen, der sich als Spieler und Trainer von Real Madrid einen tadellosen Ruf erworben hatte und insgesamt sieben Meistertitel, fünf spanische Pokale sowie zwei Champions-League-Titel gewinnen konnte, setzte noch einen drauf und gewann zwei Jahre später den WM-Titel. Der stets ruhige und bescheidene del Bosque, der trotz seiner großen Vergangenheit bei den Königlichen ein hervorragendes Verhältnis zum FC Barcelona pflegt, wird auch über die EM 2012 hinaus Trainer der spanischen Nationalmannschaft bleiben. "Er ist ein großer Mensch und hat historische Ergebnisse für uns erreicht", sagte der Verbandschef Angel Maria Villar.
Quelle: t-online.de
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