01.12.2011, 14:35 Uhr
Schweden hatte seinen "deutschen Moment" im Sommer 2009. Während die deutsche U21-Nationalmannschaft in Malmö Europameister wurde – mit gewissen Leuten wie Manuel Neuer, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil – war der Gastgeber sensationell erst im Halbfinale ausgeschieden. Der Traum entstand: es so zu machen wie die Deutschen. Die besten Spieler der Nachwuchsmannschaft nehmen, in die A-Nationalelf einbauen, dem Team einen neuen, moderneren Trainer geben – und alles wird endlich gut. Es hat auch geklappt. Zumindest fast.
Zunächst einmal der Blick auf die nackten Zahlen: In wohl jeder anderen Gruppe hätte sich Schweden als Gruppensieger qualifiziert. Acht Siege aus zehn Spielen, 24 Punkte bei einem Torverhältnis von 31:11 bedeuteten aber dennoch nur Platz zwei, weil die Niederlande eine Niederlage weniger erlitten hatten bei einem noch besseren Torverhältnis. Trotzdem hat es für die Tre Kronor gereicht. Denn mit dem überraschenden wie verdienten 3:2-Sieg über Holland verdarb Schweden seinem Rivalen nicht nur die perfekte EM-Qualifikation ohne Niederlage, sondern verdiente sich im letzten Gruppenspiel auch die Auszeichnung zum besten zweitplatzierten Team der EM-Qualifikation und buchte so doch noch den Direktflug zum Turnier. (EM-QualifikationErgebnisse und Tabelle der Gruppe E)
Dass sich die Mannschaft qualifiziert hat, ist für das Land nur der Minimal-Erfolg. Die Hoffnungen sind gewachsen. Immerhin spielen aus der erfolgreichen U21 mittlerweile sieben Spieler im Team von Trainer Erik Hamren. Doch obwohl viele talentierte Spieler wie Martin Olsson, Behrang Safari und Ola Toivonen nachgerückt sind, sind Altstars wie Olof Mellberg (34), Daniel Majstorovic (34) oder Anders Svensson (35), die längst über ihrem Zenit sind, noch immer Stammspieler. Und dann wäre ja noch der Star der Mannschaft, Zlatan Ibrahimovic, bei dem sich bei all seiner Klasse die schwedische Öffentlichkeit längst fragt, ob das Team ohne ihn nicht besser dran wäre.
Denn Zlatan Ibrahimovic stellt allein durch seinen Namen und seine Vita seine Vertreter oder Nebenleute Johan Elmander und dem hochtalentierten Toivonen in den Schatten – egal, ob er spielt oder nicht. Darüber hinaus erschien es in den letzten Monaten, dass das Team in den Spielen ohne seinen Star bessere Leistungen zeigte als mit ihm. Schon kramten schwedische Medien vor dem entscheidenden Spiel gegen Holland, für das Ibrahimovic gesperrt war, in den Statistik-Büchern. Und siehe da: Seit seinem Debüt vor zehn Jahren hat Schweden ohne den großen Stürmerstar keinen einzigen Punkt in EM-Qualifikationsspielen liegen gelassen – eine 100-Prozent-Erfolgsquote OHNE Zlatan, den I. Mit ihm hingegen sank diese Quote auf nur noch 55 Prozent. Wie zum Beweis für diese geradezu grotesk klingende Statistik erzielte ausgerechnet Toivonen den 3:2-Siegtreffer gegen Holland. Ist das Ein-Mann-Team also eigentlich besser dran ohne diesen einen Mann? Bei allem Misstrauen dem eigenen Weltstar gegenüber ist der 30-Jährige weiterhin unantastbar. Denn er ist und bleibt noch immer einer der besten Stürmer der Welt und schon alleine wegen des Respekts, den er dem Gegner durch seine schiere Präsenz einflößt, unersetzlich.
Nach neun Jahren unter Lars Lagerbäck übernahm Erik Hamren im November 2009 die schwedische Mannschaft. Seine erste Amtshandlung war die Umstellung des eher auf Sicherheit und Defensive bedachten Systems seines Vorgängers auf ein offensiv ausgerichtetes 4-2-3-1. Das Ergebnis waren eindrückliche 31 Tore in zehn Spielen der Gruppe E, immerhin die drittmeisten aller Teams in der EM-Qualifikation. Er selbst sagt, die Herausforderung der EM sei, diese Leistungen nun auch gegen die besten Teams zu bestätigen und noch mehr junge Spieler einzubinden. Auf das "Problem Ibrahimovic" hingegen will er sich nicht einlassen. "Zlatan ist unser Starspieler. Ich verstehe die Debatte in Schweden, ob wir ohne ihn besser dran wären, nicht. Ich verstehe sie einfach nicht." In Polen und der Ukraine muss er es also schaffen, dass auch das Ein-Mann-Team als Mannschaft funktioniert und Erfolg hat.
Quelle: t-online.de
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