01.12.2011, 14:34 Uhr
Von ihm hängt viel ab: Regisseur Wesley Sneijder. (Quelle: imago)
Die Niederlande zählt neben Spanien und Deutschland zu den drei Top-Favoriten auf den EM-Titel. Das ist allerdings nichts Neues. "Oranje" wurde bisher bei fast allen großen Turnieren hoch gehandelt. Regelmäßig verzauberte man Fans und Gegner, um irgendwann auf mehr oder minder tragische Weise aus dem Turnier auszuscheiden. So steht bisher lediglich ein EM-Pokal in der Vitrine des Verbands. Bei der EM in Deutschland 1988 siegten Ruud van Gullit, Marko van Basten und Co. mit 2:0 im Finale gegen die Sowjetunion. Nach Platz zwei bei der WM 2010 ins Südafrika schicken sich die Niederländer 24 Jahre nach ihrem letzten EM-Triumph an, erneut nach der höchsten Krone Europas zu greifen.
Beinahe wäre den Niederländern das gleiche Kunststück von einer perfekten Qualifikation ohne einen einzigen Punktverlust gelungen wie der deutschen Nationalmannschaft. Aber im letzten Qualifikationsspiel verlor man mit 2:3 in Stockholm gegen Schweden. Zu diesem Zeitpunkt stand Oranje jedoch bereits locker als Sieger der Gruppe E fest und die EM-Teilnahme war längst in der Tasche. In einer Gruppe mit Ungarn, Moldawien, Finnland, San Marino und eben Schweden hatte die Mannschaft um Wesley Sneijder leichtes Spiel. Bereits im Oktober 2009, als man mit Schweden den größten Konkurrenten 4:1 besiegen konnte, war der Grundstein für den Gruppensieg gelegt. Den höchsten Sieg gab es mit 11:0 gegen San Marino. 37 Tore erzielten die Niederländer in der Qualifikation insgesamt. (EM-QualifikationErgebnisse und Tabelle der Gruppe E)
Vize-Weltmeister, im Sommer 2012 Europameister? Die Elftal. (Quelle: imago)"Die Holländer schaffen es als kleines Land, permanent 20 bis 30 Spieler in der Weltspitze, bei Klubs wie Barcelona oder Arsenal, zu haben", sagt Bundestrainer Joachim Löw voller Hochachtung über den Nachbarn. Aktuell hat sich um Mannschaftskapitän Mark van Bommel eine goldene Generation gebildet. Dazu zählen gleich eine Reihe erfahrene Spieler wie Keeper Maarten Stekelenburg (AS Rom), John Heitinga (FC Everton), Wesley Sneijder (Inter Mailand), Klaas Jan Huntelaar (FC Schalke 04), Dirk Kuijt (FC Liverpool), Robin van Persie (Arsenal), Nigel de Jong (Manchester City), Ibrahim Afellay (FC Barcelona) oder auch Rafael van der Vaart (Tottenham Hotspur) und natürlich Arjen Robben (FC Bayern). Fast alle Nationalspieler sind über den gesamten europäischen Kontinent verteilt und bringen dadurch jede Menge Erfahrung mit ins Team.
27 Millionen Euro Ablöse kassierte Ajax Amsterdam 2007 von Real Madrid für Wesley Sneijder. Bis heute die höchste Summe, die der Traditionsklub jemals für einen Spieler einstreichen konnte. Nach zwei Jahren bei den Königlichen wechselte der Mittelfeldstratege 2009 zu Inter Mailand. Mit den Italienern gewann der 27-jährige 2010 das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League, als man sich im Finale gegen den FC Bayern durchsetzte. Mit zwei Treffern beim 2:1-Sieg gegen Brasilien im WM-Viertelfinale von Südafrika erlegte Sneijder einen Top-Favoriten nahezu im Alleingang. 2010 war für den Spielmacher sein bisher erfolgreichstes Jahr. Er wurde zum zweitbesten Spieler der WM gewählt, darüber hinaus ins All-Star-Team der WM und von der UEFA zum besten Mittelfeldspieler des Jahres. Für die Nationalmannschaft erzielte der Supertechniker bisher 23 Tore in 78 Spielen.
Nach dem Debakel bei der EM 2008, als die Niederlande im Viertelfinale überraschend gegen Russland unterging, ersetzte Bert van Marwijk den glücklosen Marco van Basten. Als Spieler kickte van Marwijk nur für mittelmäßige Klubs wie Deventer oder Maastricht und auch als Trainer hatte er außer dem überraschenden UEFA-Cup-Sieg 2002 mit Feyenoord Rotterdam gegen Dortmund nicht viel vorzuweisen. Doch im Vergleich zu all den Jahren zuvor, reifte unter dem 59-jährigen Schwiegervater von Mittelfeldspieler van Bommel eine Mannschaft heran, die mehr will, als nur schönen Fußball zeigen. Van Marwijk ist der erste Trainer, dem es gelang, der Elftal eine Siegermentalität einzubimsen. Nach dem zweiten Platz bei der WM will der Coach bei der EM 2012 jetzt endlich auch einen Titel.
Quelle: t-online.de
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