23.02.2012, 11:55 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw ist von seiner Mannschaft voll überzeugt. (Quelle: dpa)
Von Patrick Brandenburg
Der EM-Kader der deutschen Nationalmannschaft steht längst in mehr als nur groben Zügen, selbst wenn "die Tür noch nicht ganz zu ist", wie der Bundestrainer gerade wieder pflichtschuldig versicherte. Das Team hat im 4-5-1-System mit einem Stürmer und zwei asymmetrischen Mittelfeld-Staubsaugern eine Spielform gefunden, in der es sich sauwohl fühlt - und für den Notfall steht mindestens eine andere Variante parat. Spielerisch gehört die Elf zur Weltspitze. Zeit genug also für Joachim Löw, nun - knapp 100 Tage vorm Anpfiff des ersten EM-Gruppenspiels gegen Portugal - den Schwerpunkt seiner Tätigkeit als oberster Fußballpädagoge der Nation ein wenig zu verlagern: mehr fördern statt fordern.
"Das ist die Last der guten Tat: Die Erwartungen in Deutschland sind enorm, und die Fallhöhe ist mit unseren guten Resultaten noch weiter gestiegen", sagte der 51-Jährige bei der Bekanntgabe des 22-Mann-Kaders für den letzten wirklichen Härtetest gegen Frankreich am kommenden Mittwoch in Bremen. Als Beschwerde oder vorauseilende Ausrede wollte er das nicht verstanden wissen. Vielmehr schob er gleich ein Lob hinterher - allerdings eins mit Hintergedanken: "Ich bin überzeugt davon, meine Spieler sind absolut schwindelfrei." (Zum Durchklicken: Der Kader für das Frankreich-Spiel)
Ausdauer, Disziplin, Konzentration Ehrgeiz und Spielwitz - all das reicht nicht mehr aus bei der Nationalmannschaft. Das neue Zauberwort heißt künftig: Leichtigkeit. "Wir dürfen nicht vergessen, eine gewisse Lockerheit zu bewahren. Dann bin ich überzeugt, werden wir ein gutes Turnier in Polen und der Ukraine spielen." Ganz offensichtlich spricht dem Bundestrainer selbst seine eigene Mannschaft schon zu deutlich vom einzigen Ziel Titelgewinn. Löw ist klug genug zu wissen, dass dieser absolute Ehrgeiz, diese Zielstrebigkeit, schnell in einer Blockade münden könnte - spielerisch und geistig.
Ein Turniersieg lässt sich nicht am Reißbrett planen. Es gibt schlicht zu viele Unwägbarkeiten: Verletzungen, Formkrisen, Unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen. Oder simple Zufälle. Und vor allem gibt es diesen unermesslichen Druck. Den Druck der Öffentlichkeit, der Fans, der Medien, aber auch den selbst gemachten. Warum sonst scheitern immer wieder Top-Favoriten bei Welt- und Europameisterschaften. Die junge deutsche Mannschaft, die seit der fantastischen WM 2010 in Südafrika sogar noch jünger geworden ist, muss erst noch beweisen, dass sie es drauf hat, im Halbfinale oder Finale gegen ein Team von Rang zu bestehen. Die Türkei 2008 ist nicht mehr der Maßstab. Der heißt nun Holland, Frankreich, England oder Italien - und nicht nur Spanien, wie Löw stets betont.
Natürlich sind die Voraussetzungen vielleicht so gut wie noch nie. Der DFB hat das Glück, aktuell den wohl besten Kader seiner ruhmreichen Historie zu besitzen. Gespickt mit so unglaublich viel Talent. Özil, Kroos, Götze, Reus - um nur vier Namen stellvertretend für eine gesamte Entwicklung zu nennen, die den Fans hoffentlich noch Jahre Freude bereitet. "Wir haben eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, die spielerisch mit den Topteams mithalten kann", schwärmt Löw völlig zu Recht und verschweigt dabei noch, dass beizeiten sogar ein Vizeweltmeister Holland schwindelig gespielt wird.
Der größte Gegner, das hat der Bundestrainer nun analysiert, ist nicht mehr Spanien, der Titelverteidiger, der Weltmeister, die rote Furie. An einem guten Tag kann die DFB-Elf sich nur noch selbst schlagen. Umso wichtiger ist es, den überraschend zahlreichen Feingeistern eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich ihre Fähigkeiten voll entwickeln. Ein Mesut Özil passt nun mal nicht in die Deutsche-Tugenden-Schablone aus Kraft, Ausdauer und Disziplin. Vielmehr hat er es mit Idee, Inspiration und Leichtfüßigkeit zum Weltklub Real Madrid geschafft. Mario Götze und Toni Kroos fallen ebenso in diese Schublade. Selbst ein Thomas Müller, weil er neben seinem unglaublichen Laufpensum, das Hans-Peter Briegel vor Glück weinen lässt, vor allem durch seine unkonventionelle Art besticht, durch das Überraschende, den Spielwitz, diese unnachahmliche Leichtigkeit.
Die DFB-Elf quartiert sich im Dwor Oliwski in Danzig ein. t-online.de macht den Hotel-Check. zum Video
Dass dieses Ursprüngliche Müller und Co. in Schwarz und Weiß verloren geht, so wie es dem zum Siegen verdammten FC Bayern zurzeit verloren zu gehen droht, das treibt Löw gewaltig um. Daher nimmt er seinen Jungs prophylaktisch die Last des Gewinnen-Müssens von den Schultern. Er spricht von einem "Jahr der Chancen" und nicht von einem "Jahr des Sieges". Er blickt über den Juni hinaus - weit sogar - und prophezeit eine große Zukunft, unabhängig von EM-Meriten. "Die Entwicklung ist nicht mit dem Turnier 2012 zu Ende. Ein Mario Götze kann noch bei der WM 2022 in Katar spielen." Natürlich ist das alles auch Masche von Löw, um sein Team zu schützen. Aber so wie es zurzeit aussieht, eine durchaus angemessene.
Quelle: t-online.de
Bernd Gersdorff schrieb:
am 23. Februar 2012 um 19:56:43
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EM 2012
Noch hat dieser Kader nichts gewonnen. Daher verbietet sich jetzt ein derartiger Vergleich mit den Teams von 1972/74.
Welche
Schwankungsbreiten in der Form möglich sind, führt gerade der FC Bayern vor.
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Michael schrieb:
am 23. Februar 2012 um 19:02:24
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Cacau muss raus
Ich bin für Hanke anstelle von Cacau. Hanke hat bei Gladbach einen Lauf, bei Cacau dagegen läuft gar nichts mehr.
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Nico schrieb:
am 23. Februar 2012 um 18:54:02
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Wirklich der beste Kader aller Zeiten?
Der Kader von 1974, mit vielen amtierenden Landesmeister- Cup- Gewinnern des Fc Bayern München, die
dieses Kunststück die nächsten beiden Jahre wieder vollbrachten, wird wohl so schnell nicht übertroffen werden... Zu Hoffen wäre es natürlich, auch damals gab es mit den Niederländern und Ajax eine Nationalmannschaft und ein Club aus selbigen Land, das dominierte. Errinnert an Spanien und Barca. Also ein gutes Omen?
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