11.10.2011, 20:31 Uhr
Aus Düsseldorf berichten Patrick Brandenburg und Marc L. Merten
So langsam wird‘s unheimlich. Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt auch das letzte Pflichtspiel auf dem Weg zur EM 2012, mit 3:1 (2:0) in Düsseldorf gegen Belgien, und hat damit zehn Siege aus zehn Partien geholt - die perfekte Qualifikation. Das gab es noch nie in der Geschichte des deutschen Fußballs. Mesut Özil (30.) und André Schürrle (33.) hatten das Team von Bundestrainer Joachim Löw gegen anfangs starke Gäste mit einem Doppelschlag auf Kurs gebracht. Mario Gomez (48.) legte nach dem Wechsel noch einen drauf, der Anschlusstreffer durch Marouane Fellaini (88.) kam zu spät. Während die DFB-Elf sich über den Rekord freuen durfte, gab‘s bei den Belgiern nur lange Gesichter. Für sie ist der Traum von der EM in Polen und der Ukraine vorbei.
Bestimmt 5000 Fans der Roten Teufel hatten sich auf den kurzen Weg über die Grenze ins Rheinland gemacht, um ihre Mannschaft auf den Relegationsplatz zu schreien. Nur bei einem Sieg würde das Team im Fernduell mit der Türkei gewinnen und aus eigener Kraft Zweiter der Gruppe A werden. Allerdings musste der 34. der FIFA-Weltrangliste beim Versuch, den WM-Dritten auszuhebeln, auf einen ihrer Besten verzichten: Bayern-Verteidiger Daniel van Buyten war nach seiner Gelben Karte im Spiel gegen Kasachstan gesperrt. Trotzdem legten die Belgier los wie die Feuerwehr und erkämpften sich nach nur neun Minuten bereits den dritten Eckball. Angetrieben von Axel Witsel und Marouane Fellaini setzten die Gäste der deutschen Mannschaft ordentlich zu. Die beiden Stars von Benfica Lissabon und FC Everton waren nicht nur wegen ihrer imposanten Afrobob-Frisur zunächst die auffälligsten Akteure.
Dass die deutsche Mannschaft in der Anfangsphase arge Probleme hatte, lag unter anderem auch daran, dass der Bundestrainer trotz gegenteiliger Ankündigung die Mannschaft gleich auf fünf Positionen umgebaut hatte. Benedikt Höwedes und Mats Hummels in der Abwehr sowie Mesut Özil, André Schürrle und Toni Kroos im Mittelfeld hatten im Vergleich zum Türkeispiel neu in die Mannschaft gefunden. Vor allem in der Schaltzentrale hakte es folglich erst einmal. Kroos und Khedira konnten den Offensivdrang der Belgier nur schwer kontrollieren, Mesut Özils Pässen fehlte die Genauigkeit und weder für Schürrle noch für Thomas Müller auf den Außen gab es ein Durchkommen.
Doch nachdem Höwedes auf seiner rechten Abwehrseite Eden Hazard übersehen hatte, der flinke Außenspieler vom OSC Lille das Geschenk aber nicht nutzen konnte, drehte das DFB-Team plötzlich auf. Erst versemmelte Mario Gomez einen tollen Konter über Özil und Müller (29.). Nur eine Minute später gab ihm Özil Nachhilfe in Sachen Effizienz und donnerte den Ball aus zwanzig Meter unter die Latte. 1:0 für Deutschland. Der siebte Länderspieltreffer von Schöngeist Özil war ausnahmsweise einer der Sorte Brachialgewalt.
Lediglich drei Minuten später erhöhte der agile Schürrle auf 2:0. Großen Anteil an diesem klasse Kontertor hatte aber auch Gomez, der den Angriff mit einem Traumpass erst ermöglichte. Nachdem Jan Vertonghen von Ajax Amsterdam im Strafraumgewühl die beste Chance der Gäste ausließ (42.), hätte sich das Team von Georges Leekens sogar nicht über einen weiteren Gegentreffer noch vor der Pause beschweren dürfen. Doch Gomez scheiterte nach schönem Doppelpack mit Khedira an Torhüter Simon Mignolet.
Kurz nach der Pause machte es Gomez deutlich besser, als er eine Kombination über Özil abgezockt zum 3:0 abschloss (48.). Treffer Nummer 21 für den Münchner Stürmer im 49. Spiel in Schwarz und Weiß - der 26-Jährige arbeitet weiter an seiner beeindruckenden Quote. Für die Belgier drohte es jetzt bitter zu werden. Dabei hatten sie eigentlich sogar eine der stärksten Halbzeiten gegen ein DFB-Team der jüngeren Vergangenheit gezeigt.
Damit war die Luft früh raus aus der Partie. Die Belgier waren geschockt und kamen nur noch durch den eingewechselten Romelu Lukaku zu einer Chance. Doch Manuel Neuer im DFB-Tor zeigte seine ganze Klasse und lenkte den Ball zur Ecke (68.). Der Bundestrainer nutzte die restliche Spielzeit, um Marco Reus seinen zweiten Einsatz zu schenken und auch Cacau noch einmal unter Wettbewerbsbedingungen zu testen. Fünf Minuten vor Schluss feierte auch noch Ilkay Gündogan sein Debüt in der Nationalmannschaft. Der Dortmunder ist der 49. Neuling der Ära Löw. Zwei Minuten vor dem Ende nutzten die Belgier dann doch noch eine Unsicherheit in der deutschen Hintermannschaft zum 1:3-Ehrentreffer durch Fellaini.
Das war es erst mal wieder für die deutsche Nationalmannschaft, denn erst im November geht es mit Länderspielen weiter. Am 11. tritt das DFB-Team bei EM-Gastgeber Ukraine an und kann sich im gerade frisch eröffneten Finalstadion in Kiew schon mal an die Atmosphäre gewöhnen. Vier Tage später dürfen sich die Fans in Hamburg auf ein echtes Highlight freuen, wenn Deutschland auf den Erzrivalen Holland trifft. Beide Teams zählen zu den absoluten Topfavoriten auf den Titel im kommenden Jahr.
Quelle: t-online.de
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