16.11.2011, 07:09 Uhr
Aus Hamburg berichten Patrick Brandenburg und Jörg Runde
Die Höchststrafe für die Holländer gab es in der 41. Minute. Nach dem zertifizierten Zauberer Mesut Özil und dem magischen Matchwinner Miroslav Klose ließ sich auch ein bisheriger Trickverweigerer zu einem Kabinettstückchen gegen den Vizeweltmeister hinreißen: Dennis Aogo. Der Ersatzmann auf der linken Abwehrseite der deutschen Nationalmannschaft lupfte den Ball unter größtem Druck über einen anstürmenden Holländer hinweg, als hätte er Mario Götze vor Jahren das Fußballspielen beigebracht. "Bei uns ist es momentan fast egal, wer spielt. Wir brauchen uns vor keinem zu verstecken“, sagte Abwehrroutinier Per Mertesacker nach der 3:0-Gala gegen den Erzrivalen und schickte sieben Monate vor Start der EM 2102 eine deutliche Kampfansage an die Konkurrenz.
Für die DFB-Elf endete mit dem Fußballfest in Hamburg ein großartiges Länderspieljahr mit einem sensationellen Ergebnis und mit einem Spiel nach Maß. Nach allen Regeln der Kunst hatte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kurzentschlossen selbst die hohe holländische Fußballschule zelebriert. "Alle drei Tore haben wir überragend herausgespielt“, lobte Löw. Wie ein Orkan waren seine Spieler an der Waterkant über den Zweiten der FIFA-Weltrangliste hinweggefegt und hatten durch Thomas Müller, Klose und Özil die Tore erzielt - eins schöner als das andere.
Löw freute sich zudem über eine sehr gute Organisation, Disziplin und Raumaufteilung seiner Mannschaft: "Holland war in der Defensive gegen uns überfordert.“ Immer wieder hatte die DFB-Elf - ausgehend von Toni Kroos, über die ständig rochierenden Müller und Özil - tolle Angriffe bis vors Tor von Oranje-Keeper Maarten Stekelenburg getragen. Teilweise spielerisch leicht fand das deutsche Team durch die vom früheren Hamburger Joris Mathijsen nur unter großen Schwierigkeiten beisammen gehaltene Abwehr. "Mesut und ich haben oft die Positionen gewechselt, das hat den Gegner irritiert und Räume geöffnet“, erklärte Müller eins der wichtigsten Erfolgsrezepte des Abends.
Das zweite war, dass die deutsche Mannschaft viel kompakter stand als noch zuletzt beim wilden Systemtest in der Ukraine. Zwischen Mittelfeld und Abwehr klaffte in keiner Phase mehr eine Lücke. Und die Defensive hatte bei der Rückkehr zur traditionellen Viererkette weder gegen Schalkes Topstürmer Klaas-Jan Huntelaar, noch gegen Liverpools Dirk Kuyt oder Inter Mailands Klasse-Antreiber Wesley Sneijder ein Problem. Lediglich drei Weitschüsse kamen aufs Tor von Manuel Neuer, der wohl nicht mal bei Bayern-Heimspielen weniger zu tun hat. Das dritte Erfolgsgeheimnis trug den Namen Klose. Ein Tor selbst erzielt, zwei weitere grandios vorbereitet, dazu immer anspielbereit und ein ständiger Gefahrenherd - auch im Herbst seiner Karriere spielt der 33-Jährige groß auf. Gegen Holland übrigens als einzige Sturmspitze und nicht wie von einigen Beobachtern vermutet, als Teil eines 4-4-2-Revivals. Löws Verzicht auf weitere Experimente wirkte extrem stabilisierend.
"Voetbal total" - das in Hamburg ziemlich blasse Original ließen die deutschen Kopierkünster aufgrund all dieser Aspekte fassungslos zurück. "Das war eine peinliche und hoch verdiente Niederlage“, sagte Bert van Marwijk. Der holländische Bondscoach zog mehrfach den Hut vor dem Gegner. "Schnell umschalten konnten die Deutschen schon immer. Und jetzt können Sie auch noch Fußball spielen.“ Weil er selbst drei seiner Besten nicht adäquat ersetzen konnte - Robin van Persie, Rafael van der Vaart und Arjen Robben fehlten - blickte er neidisch auf die qualitative Tiefe, die der DFB-Kader besitzt. "Deutschland hat viel mehr Potenzial als wir, dabei haben Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm noch nicht einmal gespielt.“ Regisseur Özil adelte der Oranje-Trainer zudem als besten Spieler der Welt.
Die Deutschen nahmen die Komplimente gerne an. "Nicht nur Brasilien und Spanien können Fußball spielen“, sagte Lukas Podolski stolz. "Wir haben gespielt wie aus einem Guss“, freute sich Münchens Müller. Aber bei aller Freude blieb das ehrgeizige Team doch fokussiert und wollte sich so weit vor Beginn der EM in Polen und der Ukraine nicht vom großen Augenblick blenden lassen: "Wir haben ein Superjahr gespielt“, sagte Nationalelf-Aufsteiger Kroos, "aber nächstes Jahr wird noch wichtiger.“
Alle Blicke richten sich nun auf den 2. Dezember. Dann werden in Kiew die Vorrundengruppen für das EM-Turnier vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine ausgelost. "Wir nehmen die Auslosung, wie sie kommt. Weil wir nicht gesetzt sind, können wir auch auf Spanien oder Holland treffen", warnte Löw. In der Tat: Deutschland könnte als nicht gesetzte Nation in Topf zwei eine Hammergruppe mit Welt- und Europameister Spanien, Kroatien und Frankreich erwischen. Mit etwas Losglück könnten die Gegner aber auch Polen, Griechenland und Irland heißen.
Die DFB-Elf quartiert sich im Dwor Oliwski in Danzig ein. t-online.de macht den Hotel-Check. zum Video
Quelle: t-online.de
Jürgen schrieb:
am 16. November 2011 um 20:42:21
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D - NL
Es ist und bleibt ein Freundschaftsspiel und deshalb nicht viel wert. Die einzige Erkenntnis ist, daß das Sturmtrio Klose Özil
Müller nicht zu toppen ist !!! Ich möchte mal die Lauf und Zweikampfwerte von unserem " Oldie Klose sehen, da müssen sich unsere Jungen Wilden ganz schön anstrengen.
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Kopfball schrieb:
am 16. November 2011 um 20:24:49
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Gott sei Dank!
Gut, dass da gestern kaum Schalker oder BVBler aufm Platz waren, sonst hätte Holland wohl nicht soviel Respekt gehabt! Aber
bei der Klasse der Bayern, gehts Geschlotter schon los!
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Ted schrieb:
am 16. November 2011 um 20:22:43
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Özil
Mourinho wollte Kaka doch nur mit der Verpflichtung Özils kitzeln und dessen Verletzungspause überbrücken. Da ist keinerlei
Wertschätzung! Özil sollte zurück nach Deutschland und da am besten zu den Bayern. Da passt er gut rein, wie gestern zu sehen war und da wird er mehr Titel holen, als bei den Möchtegernen, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben.
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