10.11.2011, 06:45 Uhr
Aus Kiew berichtet Patrick Brandenburg
Elton John war schon am Dienstag da, das Electric Light Orchestra und Whitesnake kommen nächste Woche. Während in musikalischer Hinsicht gerade eine Retrowelle durch Kiew rollt, setzt die deutsche Nationalmannschaft in Sachen Fußball einen Kontrapunkt und präsentiert beim Test gegen EM-Gastgeber Ukraine viel Neues: Das offensivste Mittelfeld aller Zeiten beispielsweise, ein frisches Gesicht im Tor, und vermutlich auch einen neuen Kapitän - jedenfalls einen zur Aushilfe. "Wir können uns Experimente leisten", sagt Bundestrainer Joachim Löw, der die fünf verbleibenden Spiele bis zum Turnierbeginn im Juni 2012 ausgiebig für Tests in personeller und taktischer Hinsicht nutzen will. (Formcheck: So sind Jogis Jungs in Form)
"Die Tendenz geht dahin, dass Mesut Özil und Mario Götze beginnen werden", sagt der Bundestrainer vor der Reise ans Ziel aller DFB-Träume - an den Final-Ort der EURO 2012. Damit beantwortet Löw die zuletzt gestellte Frage "Özil ODER Götze?" erstmals mit einem deutlichen UND! Der Real-Lenker soll den offensiveren Part übernehmen, Dortmunds Shooting-Star dahinter als Bindeglied zum defensivem Mittelfeld fungieren. Es wäre eine Art 4-1-4-1-System, mit einer extrem flachen Raute zwischen Sturmspitze Mario Gomez und dem Abräumer in der Schaltzentrale. Den wird nach Bastian Schweinsteigers Schulterverletzung Sami Khedira geben. Es ist der vielleicht spannendste Versuch der jüngeren Vergangenheit, im ohnehin bärenstarken DFB-Mittelfeld noch mehr Power zu erzeugen.
In der Kombination Toni Kroos/Götze hat das unter umgekehrten Vorzeichen schon funktioniert, etwa gegen Brasilien. Sollte der Test nun auch mit Özil/Götze gut verlaufen und die beiden Ballzauberer harmonieren, hätte Löw eine weitere viel versprechende Alternative für die EM 2012. Das ist derzeit eins der großen Ziele im Hinblick auf das Turnier: die Optionen zu vergrößern und das Team so für die Gegner schwerer ausrechenbar zu machen.
Aus dem gleichen Grund wollte zunächst auch die DFB-Elf in Kiew auf Retro machen und zur Variante mit zwei Stürmern zurückkehren. Doch dieses System-Revival muss nach dem Ausfall von Miroslav Klose mindestens bis zum Prestigeduell gegen Holland warten.
Trotz hoher Belastung beim FC Bayern will der Stürmer auch gegen die Ukraine und Holland vollen Einsatz zeigen. zum Video
Während im komplett erneuerten Olympiastadion von Kiew kurz vor dem Einweihungsländerspiel noch an allen Ecken und Enden Feinarbeiten verrichtet werden, wird auch am DFB-Team sieben Monate vor Turnierbeginn kräftig gewerkelt. So feiert der 22 Jahre alte Ron-Robert Zieler sein Debüt im Tor der Nationalelf. "Er spielt auf jeden Fall 45 Minuten, vielleicht auch länger", kündigte der Bundestrainer an. Auf der Position des linken Außenverteidigers darf vermutlich Marcel Schmelzer sein Können beweisen. Nachdem Dauerbrenner Philipp Lahm für die beiden Länderspiele zum Jahresabschluss eine wohl verdiente Pause verordnet bekam, soll der Dortmunder sein Fähigkeit als Backup zeigen.
Und noch etwas wird neu sein am Freitag: Weil Lahm und Klose fehlen, könnte Lukas Podolski die Mannschaft in seinem 94. Länderspiel erstmals als Kapitän aufs Feld führen.
Der Spieler des FC Bayern sieht dem Konkurrenzkampf im DFB-Team gelassen entgegen. zum Video
Quelle: t-online.de
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