15.11.2011, 15:31 Uhr
Aus Hamburg berichtet Patrick Brandenburg
Die Brisanz früherer Spiele ist raus aus dem Duell mit dem Erzrivalen Holland. Das mag daran liegen, dass es in Hamburg nicht um Titel oder Medaillen geht. Das liegt aber auch daran, dass inzwischen viele Holländer in der Bundesliga ihr Glück gefunden haben und die neue Generation keine Stellvertreterkriege mehr führt. Aus deutscher Perspektive gilt, dass die Mannschaft erstmals ohne Komplexe in die Partie geht.
Thomas Müllers rotzfrechen Einwurf: "Von Holland können wir keinen gebrauchen", wies der Bundestrainer zwar amüsiert ins Fabelreich fehlender Staatsbürgerschaft. Trotzdem ist Joachim Löw angesichts seines eigenen Kaders selbstbewusst genug, hinzuzufügen: "Warum sollen wir Angst vor Holland haben?" (Teamvergleich: Die deutsche Mannschaft hat klar die Nase vorne)
Der 51-Jährige ist ein Freund des holländischen Fußballs und sieht diesen seit langem als Vorbild. Das wird in jeder Silbe klar, die der Bundestrainer vor dem 38. Aufeinandertreffen mit der Elftal äußert. "Holland ist in Sachen Ausbildung, Nachhaltigkeit und Systementwicklung in den letzten knapp vierzig Jahren an Beständigkeit nicht zu überbieten." Seit Ewigkeiten bringe das kleine Nachbarland immer wieder Weltklassespieler hervor, so wie aktuell etwa Arjen Robben oder Robin van Persie. Die Offensive, die individuelle Klasse der Spieler und die immer gleichbleibenden Systematik garantierten für stete Extraklasse. Gerade Letzteres erhofft sich Löw aber auch als Ansatzpunkt für sein eigenes Team - und als Möglichkeit, den Kritikern der DFB-Mannschaft einen kleinen Seitenhieb zu versetzen.
"Man weiß ja, wie die Holländer spielen. Das ist immer gleich, das kann für sie ein Nachteil sein", sagte Löw. Damit spielte er natürlich auf sein jüngstes Experiment mit der Dreierkette in der Ukraine an, das nach Auffassung vieler Experten scheiterte. Eine weitere Abwehrrevolution wird es in Hamburg nicht geben, dagegen womöglich die Rückkehr zum 4-4-2 mit zwei Stürmern, falls Klose seine Sehnenreizung rechtzeitig auskurieren sollte. Beim Abschlusstraining sah es jedenfalls ganz gut aus für den Angreifer von Lazio Rom. Aber auch wenn das DFB-Team sein Repertoire nicht um eine Variante erweitert: Löw reicht die "Drohung", wieder mit zwei Spitzen spielen zu können: Der Gegner soll im Trüben fischen.
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Denn auch wenn für Löw "das Ergebnis nicht das Allerwichtigste ist", so dient der Test gegen den Zweiten der FIFA-Weltrangliste natürlich als Standortbestimmung unter den Top-Turnierfavoriten für die EM 2012. Ein souveräner Sieg würde ein Signal an die Konkurrenz senden und das Selbstvertrauen der deutschen Mannschaft weiter stärken. Daher wird der Bundestrainer keine B-Elf aufs Feld schicken. "Auch Mesut Özil wird gegen Holland beginnen", versprach der Bundestrainer. Von den Wackelkandidaten sind vermutlich nur Benedikt Höwedes und Per Mertesacker am Start, die noch um einen Platz in der Startelf kämpfen. Dazu Dennis Aogo, der als Lokalmatador auf der linken Abwehrseite eine neue Chance erhält, sich als Backup für den geschonten Kapitän Philipp Lahm zu empfehlen. Definitiv nicht spielen wird hingegen André Schürrle. Der 21-jährige Leverkusener muss kurzfristig wegen eines grippalen Infektes passen.
Auf jeden Fall dürfen sich die Fans in Hamburg auf ein anderes Spiel als vor zwei Jahren freuen. Ende 2009 empfand die gerade mit einem Sieg in Russland frisch für die WM qualifizierte DFB-Elf das nun unwichtige letzte Qualifikationsspiel vor eigenem Publikum als überflüssige Belastung und rettete sich erst in der Schlussminute zu einem schmeichelhaften Remis - gegen den krassen Außenseiter Finnland.
Quelle: t-online.de
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